Bildung und Gewerkschaften

Bild: Friedrich-Ebert-Stiftung

Neben dem Kampf um bessere Arbeits- und Lebensbedingungen ist Bildung seit den Anfängen Arbeiterbewegung ein zentrales Thema für Gewerkschaften nicht nur im deutschsprachigen Raum. Bereits um 1830, einige Jahrzehnte vor der Entstehung der ersten Gewerkschaften gab es die ersten Arbeiterbildungsvereine, die der selbstorganisierten allgemeinen Vermittlung von kultureller und politischer Bildung dienten und später zu Vorläuferorganisationen der ersten Arbeiterparteien wurden.

Auch später, als die Bewegung stärker geworden und besser organisiert war, blieben Bildung und Weiterbildung ein zentrales Thema vor allem für Gewerkschaften, aber auch für die damalige SPD. Dabei ging es damals weniger um berufsbezogene Weiterbildung im heutigen Sinn, das Bildungsanliegen der Gewerkschaften im Industriekapitalismus war in erster Linie die Vermittlung von politischer Bildung, die als wichtiges Instrument zur Formulierung gemeinsamer Interessen und zur Emanzipation von der Unterdrückung durch Adel und Bürgertum betrachtet wurde.

Während der Weimarer Republik war das gewerkschaftliche und sozialdemokratische Bildungswesen bereits zu einem ausdifferenzierten System herangereift, das teils auch eng mit den Volkshochschulen zusammenhing. Seit 1945 wird die Arbeiterbildung stark von der gewerkschaftlichen Bildungsarbeit und der Organisation „Arbeit und Leben“ (eine Kooperation von Gewerkschaften und Volkshochschulen) bestimmt.

Als Grundgedanke gewerkschaftlicher Bildungsarbeit kann über die gesamte Zeit beschrieben, was der Erziehungswissenschaftler Wolfgang Klafki als Dreiklang jeder Form von Bildung formuliert hat und was kaum näher an gewerkschaftlichen Werten sein könnte: Bildung soll Menschen demnach befähigen zu Selbstbestimmung, zu Mitbestimmung und zu Solidarität.