Reform ist, wenn es besser wird! Heute: Zustände an Berufs- und Hochschulen

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Marode Fassaden, bröckelnde Bausubstanz, defekte Toiletten und eine Computerausstattung der Marke Asbach Uralt: Das ist für Hunderttausende Berufsschülerinnen und -schüler hierzulande Alltag, wie rund 50 Prozent der Befragten in einer Umfrage der IG Metall Jugend bemängelten. Und das sind noch nicht einmal die schlimmsten Mängel, unter denen viele Berufsschulen leiden. Noch ärgerlicher ist der vielfach berichtete chronische Lehrermangel, der teils wochenlangen Unterrichtsausfall, unzureichende Prüfungsvorbereitung und vieles mehr zur Folge hat. Die Zustände an den Berufsschulen sind teils so dramatisch, dass die IG Metall Jugend Niedersachsen-Sachsen-Anhalt eine eigene Kampagne dazu ins Leben gerufen hat. Unter dem Titel „BBS ohne Stress: Kümmert euch um unsere Berufsschulen“ kämpfen die Kollegen seither gemeinsam mit der gesamten IG Metall Jugend für massive Investitionen nicht nur hinsichtlich der Infrastruktur sondern vor allem auch, was die Anzahl der Lehrerinnen und Lehrer angeht. 

Doch die Probleme an den Berufsschulen lassen sich keinesfalls geografisch auf die Bundesländer Niedersachsen und Sachsen-Anhalt beschränken, es gibt neben den genannten eklatanten Mängeln weiteren grundlegenden Reformbedarf, der nicht nur auf den unbestreitbaren Geldmangel zu reduzieren und im ganzen Land gleichermaßen anzutreffen ist. Für viele Auszubildende und dual Studierende ist etwa die oft mangelhafte Zusammenarbeit zwischen Betrieb und Berufs- oder Hochschule ein Problem, dem mit verbindlichen Regeln zur Abstimmung begegnet werden könnte – wenn der Gesetzgeber endlich aktiv würde. Ähnliches gilt für die Anrechnung der Zeit in der Berufsschule für Auszubildende unter 18 und eine Reihe weiterer Fragen rund um die Qualität der Ausbildung. Statt kommunaler Sparexzesse bedarf es endlich klarer Regeln und Qualitätsstandards sowie moderner Unterrichtskonzepte.

Nicht zuletzt ist die Forderung nach mehr Demokratie und Mitbestimmung zu nennen – und zwar nicht nur, weil Auszubildende und dual Studierende oftmals am besten wissen, wo der Schuh in Sachen Ausbildung genau drückt. Vor dem Hintergrund stürmischer politischer und gesellschaftlicher Entwicklungen geht es auch darum, junge Menschen auch in den Berufs- und Hochschulen zu mündigen Bürgern zu erziehen, die den falschen Versprechen rechter und anderer Spinner nicht auf den Leim gehen. Darum darf Demokratie auch vor den Berufsschulen nicht Halt machen.