Reform ist, wenn es besser wird! Heute: Lehr- und Lernmittelfreiheit

Bild: Public Domain CCO

Wir stellen uns vor: Otto Normalazubi lebt in Erfurt, macht eine Ausbildung im KFZ-Gewerbe und muss im ersten Jahr mit erbärmlichen 549 Euro im Monat auskommen. Davon kann er mit Mühe die Kosten für seinen 10 Jahre alten Golf bestreiten – und manchmal noch mit Freunden ins Kino oder auf ein Feierabendbier. Eine eigene Wohnung, die er so gerne hätte, kommt leider nicht in Frage, darum wohnt er noch bei den Eltern. Überhaupt wäre die Ausbildung ohne die Unterstützung der Eltern in finanzieller Hinsicht deutlich schwieriger.

Denn nicht nur die Ausbildungsvergütung ist mehr als mau – Otto Normalazubi soll auch noch draufzahlen. So wurden ihm für Arbeitsklamotten gleich zu Beginn der Ausbildung mal eben 160 Euro abgenommen, weitere 50 Euro wenig später für die ersten Lehrbücher, ohne die es nun einmal nicht geht. Besserung ist nicht in Sicht, darum ist er froh, dass die Eltern ihm unter die Arme gegriffen haben, obwohl die alles andere als reich sind.

Unser Otto Normalazubi mag ein Extremfall sein – aber die Kosten für Lehr- und Lernmittel sind ebenso wie weitere kostenpflichtige Ausbildungsmaterialien für viele Auszubildende ein harter Brocken, der das ohnehin schon schmale Budget noch weiter schmälert. Ein eigenständiges, von den Eltern unabhängiges Leben wird so massiv erschwert. Die IG Metall Jugend fordert darum, dass Lehr- und Lernmittel grundsätzlich und für alle Auszubildenden kostenlos sein müssen. Alle durch die Ausbildung entstehenden Kosten müssen von den Arbeitgebern getragen werden. Insbesondere Fahrtkosten, Bücher oder sonstige Lernmittel müssen für Auszubildende kostenfrei sein. Die von der Großen Koalition vereinbarte Überarbeitung des Berufsbildungsgesetzes ist eine hervorragende Gelegenheit, einen großen Schritt zu mehr Gerechtigkeit in der Berufsausbildung zu machen. 

Übrigens: Laut Wikipedia geht die „Lernmittelfreiheit auf Forderungen von 1848 zurück, als man Bildung unabhängig vom Einkommen der Eltern ermöglichen wollte“. Nach fast 170 Jahren wäre es doch schön, wenn diese Forderung auch für Auszubildende endlich umgesetzt würde.