Neue Studie: „Die enthemmte Mitte“

Bild: CC0 Public Domain

„Die enthemmte Mitte. Autoritäre und rechtsextreme Einstellung in Deutschland“ ist der Titel der von der Universität Leipzig im Auftrag der Otto Brenner-Stiftung sowie der Heinrich Böll- und der Rosa Luxemburg-Stiftung durchgeführten Studie. Für die „Mitte“-Studie der Universität Leipzig werden seit 2002 alle zwei Jahre bevölkerungsrepräsentative Befragungen durchgeführt. Es gibt keine vergleichbare Langzeituntersuchung zur politischen Einstellung in Deutschland.

Die wichtigsten Ergebnisse: Deutschland ist polarisiert. Zwar lehnt eine deutliche Mehrheit rechtsextremes Denken ab – die Gruppen mit rechtsextremer Einstellung sind allerdings immer häufiger bereit, Gewalt einzusetzen, um auf ihre Ideologie aufmerksam zu machen und Angst und Schrecken in der Bevölkerung zu verbreiten. Überhaupt sind rechte Meinungen von Pegida bis AfD nicht etwa mehr geworden, sie sind einfach nur lauter als früher und haben nun prominentere Plattformen über die sie sich artikulieren und aggregieren können. Zugleich gibt es einen unübersehbaren Anstieg der Abwertung bestimmter Gruppen: Islamfeindschaft, Antiziganismus und die Abwertung von Asylantragsteller_innen haben deutlich zugenommen. Gleichzeitig wachsen die Befürwortung einer antidemokratischen, autoritären Politik und die Gewaltbereitschaft bzw. -akzeptanz, etwa um den eigenen Interessen Nachdruck zu verleihen oder sich „gegen Fremde durchzusetzen“.

Gut die Hälfte der Befragten fühlt sich etwa "durch die vielen Muslime (...) manchmal wie ein Fremder im eigenen Land". 41 Prozent gaben an, Muslimen sollte die Zuwanderung nach Deutschland am besten ganz verboten werden und knapp 60 Prozent  stimmen der Aussage zu, die meisten Asylbewerber hätten in ihrer Heimat nicht wirklich Verfolgung zu befürchten. 

Doch es gibt auch gute Nachrichten: Denn im Vergleich zur Erhebung vor zwei Jahren gibt es 2016 eine deutliche Zunahme der so genannten „demokratischen Milieus“. Mitautor der Studie, Oliver Decker von der Uni Leipzig: „Wir befinden uns in einer historisch besonderen Situation, die durch eine starke Polarisierung und Radikalisierung gekennzeichnet ist. Es gibt dabei ebenfalls eine Stärkung demokratischer Milieus, es zeigt sich aber auch, wie weit die Vorstellungen vom Zusammenleben in der Gesellschaft auseinander liegen. Alarmierend deutlich ist auch die anti-demokratische Einstellung der Anhängerinnen und Anhänger der Pegida-Bewegung und der Wählerschaft der AfD.»

Die IG Metall setzt sich vor diesem Hintergrund für eine bunte Gesellschaft und für Zusammenhalt, Solidarität, Respekt und Vielfalt ein. Michael Schmitzer, Leiter des Ressorts Jugend beim Vorstand der IG Metall, sagt dazu im Interview: „Die Bedürfnisse der jungen Menschen, ihre Sorgen, Nöte, Träume und Wünsche müssen in den Fokus gestellt werden. Das bedeutet manchmal aber auch mehr Fragen zu stellen und einiges auszuhalten. Wenn wir jene jungen Menschen dadurch aber erreichen und ihnen helfen, ihre politischen Vorstellungen in einem demokratischen Diskurs zu artikulieren, ist es das allemal wert. Nur so kann eine solidarische und inklusive demokratische Gesellschaft gelingen.“ (Das ganze Interview)

Hier gibts weitere Informationen zur Studie "Die enthemmte Mitte"