Lernt was richtiges, Kinder! Was ist eigentlich Beruflichkeit?

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Manche kennen das noch von den eigenen Eltern oder Großeltern: Da hat Vater nicht nur seine Ausbildung zum Automechaniker in Stuttgart-Untertürkheim gemacht, sondern gleich die nächsten 40 Jahre „beim Daimler geschafft“. Auch Opa hat sein Arbeitsleben im Zeichen von Thyssen oder Krupp verbracht, war Stahlkocher mit Leib und Seele und hätte sich nichts anderes vorstellen können. Das ist heute anders. In der globalisierten und digitalisierten Wirtschaft herrscht ein anderer, schnellerer Takt, Unternehmen werden ohne Unterlass neu strukturiert und umgebaut, gleich ganz verkauft oder vom nächsten Großkonzern verschluckt – und viele deutsche Konzerne sind bei diesem Spiel ganz vorne mit dabei. 

Wenn es nach den Wünschen der Unternehmen ginge, dann würde sich im Zuge dieser kurzatmigen Wirtschaftsweise aber nicht nur das ausweiten, was Experten „atypische Beschäftigung“ nennen, also alle möglichen prekären Jobs von Leiharbeit bis Werkvertrag, von Teilzeit bis Befristung. Den Flexibilitäts- und Kontrollinteressen der Unternehmen wäre auch mit einer weiteren Aufsplitterung von Arbeitsprozessen gedient, die ganzheitliche Arbeit in viele kleinteilige Schritte zerlegt, die eigentlich jeder Ungelernte übernehmen kann. Die Wirtschaftslobby versucht dementsprechend immer wieder, die Berufsausbildung umzukrempeln, Kurzzeit- und Schmalspur-Ausbildungswege zu ermöglichen, die zu dieser Umgestaltung der Arbeitswelt passen würden wie Arsch auf Eimer.

Doch sie haben die Rechnung ohne die IG Metall gemacht. Denn die größte Einzelgewerkschaft der Welt kämpft nicht nur gegen die Prekarisierung der Arbeit und setzt sich für gute Jobs mit ordentlicher Bezahlung ein, sie wendet sich ebenso entschieden gegen die Modularisierung der Erwerbsarbeit und kämpft für das, was sie „Beruflichkeit“ nennt.

Beruflichkeit steht dabei für das Gegenteil neoliberaler Arbeitgeberträume in Sachen Arbeit. Berufe sind das Gegenteil von Jobs, denn wer einen Beruf hat, ist ein Experte in seinem Fachgebiet und nicht nur ein kurzfristiger und austauschbarer Lohnempfänger. Beruflichkeit „ist im Verständnis der Gewerkschaften Teil einer emanzipatorischen Bildungskonzeption, die Auszubildende und Beschäftigte befähigt, ihre Arbeitsbedingungen zu reflektieren, die sozialen und ökologischen Folgen von Erwerbsarbeit zu erkennen, Arbeitnehmerrechte wahrzunehmen und Arbeit mit zu gestalten“, wie das geschäftsführende Vorstandsmitglied der IG Metall, Hans-Jürgen Urban das beschreibt. „Beruflichkeit ist Teil der Persönlichkeitsentwicklung“ und passt damit auch perfekt zu den Zielen, für die die IG Metall Jugend mit der Kampagne „modern bilden“ eintritt.