125 Jahre IG Metall: 125 Jahre Selbstbestimmung, Mitbestimmung, Solidarität

Bilder: Lukas Franke

Als der Deutsche Metallarbeiter-Verband (DMV) auf dem Metallarbeiterkongress in Frankfurt am Main vom 1. bis zum 6. Juni 1891 gegründet wurde, waren Wochenarbeitszeiten von 78 Stunden und 12- oder sogar 14-Stunden-Tage normal. Errungenschaften wie Kündigungsschutz, Mindestlöhne, Sozialversicherung, Altersvorsorge, Schutz bei Krankheit, Arbeitszeit- und Urlaubsregelungen oder Koalitionsfreiheit und betriebliche Mitbestimmung waren noch unbekannt – und für die Herrschenden in Politik und Wirtschaft auch größtenteils unvorstellbar. So wurde etwa der Acht-Stunden-Tag gemeinsam mit der erstmaligen Anerkennung der Gewerkschaften als Interessenvertretung der Arbeiter erst 1918 als Kompromiss eingeführt, um die revolutionär aufgeheizte Stimmung der Novemberrevolution nach dem Ersten Weltkrieg zu befrieden.

Dennoch: Schon 1919 zählte der DMV als wichtigste Vorläuferorganisation der IG Metall eine halbe Million Mitglieder und war damit die größte Industriegewerkschaft der Welt. Mit diesem Gewicht und von einzelnen Rückschlägen abgesehen wurden in den Jahren der Weimarer Republik erste Mitbestimmungsstrukturen und die 40-Stunden-Woche in weiten Teilen des DMV-Organisationsbereichs durchgesetzt. Erst die Nazis hoben nach der Zerschlagung der Gewerkschaften und ihrer Strukturen und der Inhaftierung und Ermordung zahlreicher Gewerkschafter auch die Arbeitszeit wieder auf 48 Stunden an.

Nach der Befreiung Deutschlands vom Nazi-Terror entstand aus dem früheren DMV die Industriegewerkschaft Metall. Neben dem Kampf um eine Reduzierung der Arbeitszeit, die zunächst weiterhin bei rund 48 Stunden lag, ging es in den ersten Jahrzehnten der BRD um Mitbestimmung in der Montanindustrie, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, mehr Urlaub und mehr Lohn – die immer wieder von harten Arbeitskämpfen begleitet wurden. Ab den 1960er-Jahren begann die IG Metall, ihre Aktivitäten von der Tarifpolitik auf Lohn- und Gehaltspolitik auszuweiten und sich auch in gesellschaftspolitischen Fragen zu Wort zu melden, etwa wenn es um Widerstand gegen die Notstandsgesetze ging.

Heute steht die IG Metall vor der Herausforderung, die Interessen ihrer Mitglieder in einer Situation zu vertreten, in der nicht nur die Arbeitswelt angesichts der Digitalisierung (Industrie 4.0) einem dramatischen Wandel unterworfen ist. Auch der mit der Globalisierung verbundene Wandel in den weltweiten Arbeitsbeziehungen verlangt in vielen Bereichen eine grundlegende Neuorientierung gewerkschaftlichen Handelns. Heute gilt es, Arbeit und private Lebensbedürfnisse besser in Einklang zu bringen und mit den stürmischen globalen Entwicklungen abzustimmen. Dafür braucht die Arbeitswelt von morgen mehr Selbstbestimmung für die Beschäftigten, mehr sozialen Ausgleich und nicht zuletzt bessere Bildungschancen für alle. 

Doch ein Blick auf die letzten 125 Jahre zeigt auch, dass sich manche Forderung erst auf lange Sicht durchsetzen lässt - und dass die IG Metall am Ball bleibt. 125 Jahre Einsatz für bessere Arbeitsbedingungen, für Mitbestimmung, Gerechtigkeit und Demokratie zeigen nicht nur, dass die IG Metall einen langen Atem hat, sondern auch, was ihre wichtigste Stärke ist: Die Solidarität der Metallerinnen und Metaller untereinander.

Heute findet ein zentraler Festakt zum 125-jährigen Bestehen der IG Metall in der Paulskirche in Frankfurt statt. In den kommenden Wochen sind zahlreiche weitere Veranstaltungen auf bezirklicher, regionaler oder lokaler Ebene geplant. In der Verwaltungsstelle des Bezirks Berlin-Brandenburg-Sachsen in Berlin ist noch bis Anfang Juli eine Ausstellung zu 125 Jahren IG Metall zu sehen, wo auch die hier zu sehenden Bilder aufgenommen wurden.