BBiG-Novelle: So setzt sich die IG Metall Jugend für eure Interessen ein

Bild: IG Metall

Das Berufsbildungsgesetz (BBiG) definiert die Rahmenbedingungen und Grundsätze des dualen Systems der beruflichen Bildung in Deutschland – und das seit 1969. Es soll als Bundesgesetz einheitliche Qualitätsstandards und damit die Vergleichbarkeit von Ausbildungslehrgängen im Politikbereich Bildung ermöglichen, der eigentlich Ländersache ist. Darum wies das Regelwerk schon immer einige Lücken auf – ganz abgesehen davon, dass sich von 1969 bis heute einiges verändert hat. So ist etwa das duale Studium, das sich in den letzten Jahren immer größerer Beliebtheit erfreut, nicht vom BBIG erfasst – was zu erheblichen Regelungslücken oftmals zum Nachteil junger Menschen führt.

Hinzu kommen gravierende Mängel im bestehenden System. Ob Unterrichtsausfall, mangelnde Prüfungsvorbereitung, schlechte technische Ausstattung oder marode sanitäre Anlagen, uralte Computer und ebenso alte Maschinen oder Lehrmaterialien: Dass die Zustände an deutschen Berufsschulen zu wünschen übrig lassen, ist längst kein Geheimnis mehr. Auch sonst lässt die Ausbildungsqualität häufig zu wünschen übrig. Von Überstunden für Azubis über Ausbilder mit mangelnder Lehrbefähigung bis zu Betrieben, die weder in Sachen Ausbildung noch in Sachen Guter Arbeit fit für die Anforderungen unserer Zeit sind, liegt auch hier ein Berg Arbeit vor uns.

Damit nicht genug: Laut Bundesinstitut für Berufsbildung gab es 2014 über 810.000 Ausbildungsinteressierte, es wurden aber nur rund 522.000 Ausbildungsverträge abgeschlossen. Das Ausbildungsplatzangebot ist also nach wie vor viel zu gering, jedes Jahr landen über 250.000 Jugendliche im so genannten Übergangssystem, wo sie sich mit oft sinnlosen „Maßnahmen“ und der vagen Hoffnung auf einen Ausbildungsplatz im kommenden Jahr abfinden sollen. 

Die Bundesregierung hat bei ihrem Antritt 2013 eine Evaluierung des BBiG in den Koalitionsvertrag geschrieben: "Wir wollen die duale Ausbildung stärken und modernisieren. Wir werden das Berufsbildungsgesetz evaluieren und Anpassungen prüfen, insbesondere in Hinblick auf die Erhöhung der Durchlässigkeit, die Stärkung der Ausbildungsqualität und gestufter Ausbildungen, die Bildung von Berufsfamilien und die Sicherung des Ehrenamts in den Prüfungsgremien."

Die IG Metall Jugend betrachtet diese Vereinbarung als Chance, lange beklagte Mängel endlich aus dem Weg zu schaffen. Wir fordern daher ein BBiG, das ein Recht auf Ausbildung für alle festschreibt, alle Formen der betrieblichen Ausbildung erfasst, klare Qualitätsstandards festschreibt, junge Menschen von Kosten entlastet, die aufgrund der Ausbildung entstehen und Mitbestimmung endlich auch an Berufsschulen ermöglicht.

 

Unsere Forderungen auf einen Blick:

Ausbildung garantieren: Jeder, der eine berufliche Ausbildung machen möchte, soll das auch tun können - gesetzlich garantiert.

Existenzsichernde Ausbildungsvergütung: Die Ausbildung muss Auszubildenden ein finanziell unabhängiges Leben ermöglichen - und zwar in allen Ausbildungsverhältnissen. Auch in schulischer und außerbetrieblicher Ausbildung.

Duales Studium auf gesetzliche Grundlage stellen: Wie muss ein Ausbildungsvertrag zwischen Studierenden und dem Betrieb aussehen und wie arbeiten Betrieb, Hochschule und Berufsschule zusammen? Solche Fragen müssen endlich gesetzlich einheitlich geregelt werden.

Lehr- und Lernmittelfreiheit: Alle durch die Ausbildung entstehenden Kosten müssen von den Arbeitgebern getragen werden. Insbesondere Fahrtkosten, Bücher oder sonstige Lernmittel müssen für Auszubildende kostenfrei sein. Denn Ausbildung darf nicht an finanziellen Hürden scheitern.

Bessere Standards an Berufsschulen und Hochschulen: Notwendig sind gesicherte Qualitätsstandards und eine bessere Zusammenarbeit zwischen Berufsschule / Hochschule und Betrieb. Darüber hinaus muss die Zeit in der Berufsschule auch für Auszubildende, die älter sind als 18 Jahre, auf die betriebliche Arbeitszeit angerechnet werden - inklusive der Wege- und Pausenzeiten.

Qualität von Aus- und Weiterbildung verbessern: Dazu braucht es neben einer angemessenen Anzahl an Ausbilderinnen und Ausbildern vor allem klare und verbindliche Qualitätsansprüche.

Ankündigungsfristen bei beabsichtigter Nichtübernahme nach der Ausbildung: Wer seine Ausbildung erfolgreich abschließt, soll danach grundsätzlich unbefristet weiterbeschäftigt werden. Im Fall einer Nichtübernahme sollte der Auszubildende jedoch zumindest spätestens drei Monate vorher vom Arbeitgeber informiert werden.